Sky, DAZN, Dyn & Co. – Die große Sport-Streaming-Analyse

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20 min

Mit einem Paukenschlag hat Christian Seifert, der ehemalige Geschäftsführer der Fußballbundesliga, im vergangenen Jahr bekannt gegeben, dass er gemeinsam mit dem Axel Springer Konzern ein Streaming-Startup namens „Dyn Media“ gegründet hat. Dieses soll ein neues Zuhause für Sportarten abseits des Fußballs werden. Der Manager erwarb umfangreiche Rechtepakete bekannter Sportarten. Während der Fußball überwiegend von den großen Platzhirschen wie Sky und DAZN besetzt wird, baut Seifert auf das wirtschaftliche Potenzial von Handball, Basketball, Volleyball & Co. Durch den neuen Player auf dem Markt wird die deutsche Sport-Streaming-Landschaft noch komplexer. Immer häufiger müssen sich Fans die Frage stellen, über welchen Anbieter sie ihre Lieblingssportart oder Lieblingsmannschaft verfolgen können – und auch, zu welchem Preis. Ein zunehmend beliebter Ansatz besteht darin, ein VPN zu nutzen, um den Zugriff auf eine breitere Palette von Sportübertragungen zu ermöglichen. Wir geben Ihnen einen Überblick über den Streaming-Markt der größten deutschen Sportarten und werfen einen Blick auf mögliche zukünftige Entwicklungen.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Rückblick: So hat sich der Sport-Streaming-Markt in den letzten Jahrzehnten entwickelt
  2. Die deutsche Sport-Streaming-Landschaft: So viel müssen Fans zahlen!
  3. Das sind die Übertragungsrechte wert
  4. Wie bewerten die Fans die Plattformen?
  5. So könnte sich der Streaming-Markt in Deutschland entwickeln

Rückblick: So hat sich der Sport-Streaming-Markt in den letzten Jahrzehnten entwickelt

In der Vergangenheit waren kostenfreie Übertragungen von Sportveranstaltungen über die öffentlich-rechtlichen Sender weit verbreitet – sie hatten auch einen gesellschaftlichen Auftrag. Doch durch die steigende Nachfrage und die Weiterentwicklung des Streaming-Marktes begann der Trend zu kostenpflichtigen Abonnements. 

Seit mehreren Jahren bieten Unternehmen wie Sky, DAZN und Magenta Sport über ihre Plattformen hochwertige Sportübertragungen für zahlende Abonnenten an. Damit stieg zwar das Angebot an Live-Sportereignissen, diese sind für die Fans mittlerweile jedoch mit hohen monatlichen Kosten verbunden. 

Vor allem Fußball-Fans dürften mit einem weinenden Auge auf die Entwicklung des Marktes im letzten Jahrzehnt schauen. Denn vor nicht allzu langer Zeit war es deutlich einfacher und kostengünstiger, die deutschen Top-Teams zu verfolgen. Für die Bundesliga genügte ein Sky-Abonnement – die Spiele mit deutscher Beteiligung in der Champions- und Europa League waren frei empfangbar. Mittlerweile benötigt man bis zu vier kostenpflichtige Abonnements, um alle nationalen und internationalen Spiele der Bundesligisten verfolgen zu können. 

Dieser Trend zeigt sich auch bei weiteren beliebten Sportarten in Deutschland. Die Formel 1 war bis 2021 über RTL frei empfangbar, seitdem besitzt Sky die Exklusivrechte an der Sportart. Dasselbe gilt für das wohl wichtigste Tennisturnier der Welt, Wimbledon, das seit 2011 nicht mehr im Free-TV übertragen wird. 

Durch den steigenden Erfolg des deutschen Pioniers Sky (früher Premiere) kamen im Laufe der Zeit weitere Anbieter auf den Markt, die sich verschiedene Rechte in der Sportbranche sicherten:

Der britische Streamingdienst DAZN ist 2016 in den deutschen Markt eingestiegen und besitzt nun exklusive Rechte an vielen der beliebtesten deutschen Sportarten. Auch RTL+ und Amazon Prime Video haben das Potenzial der Branche erkannt und erwarben Übertragungsrechte europäischer Fußball-Wettbewerbe. 2017 ist Magenta Sport (früher Telekom Sport) an den Start gegangen, im August 2023 kam mit Dyn ein neuer Konkurrent hinzu, der viele Sportarten außerhalb des Fußballs besetzt hat. Bereits seit mehreren Jahren ist die Streaming-Plattform Sportdeutschland.TV mit kostenfreien Übertragungen im Breitensport aktiv, ließ aber in diesem Jahr ebenfalls aufhorchen, als man sich die exklusiven Rechte an den US-Open bis 2027 sicherte. 

Die deutsche Sport-Streaming-Landschaft: So viel müssen Fans zahlen!

Aufgrund der Vielzahl von Anbietern und der Aufteilung einzelner Wettbewerbe auf verschiedene Plattformen gestaltet es sich für Fans zunehmend schwierig, den Überblick zu behalten. Wo wird mein Lieblingssport übertragen? Welche Abos benötige ich, um alle Spiele meiner Lieblingsmannschaft zu verfolgen? Mit welchen Kosten ist das verbunden? All das sind Fragen, die man unter Sportinteressierten immer häufiger wahrnimmt. Wir bringen Licht ins Dunkel und geben Ihnen einen Überblick über die Verteilung der wichtigsten Übertragungsrechte im deutschen Sportmarkt.

Übersicht deutsche Streaming-Dienste nach Sportart

Fußball: Viele Anbieter, hohe Preise

  • Fußball-Fans müssen bis zu 4 Abonnements abschließen, um alle Live-Spiele ihrer Lieblingsmannschaft sehen zu können
  • Sky und DAZN teilen sich die Spiele der Fußball-Bundesliga auf
  • DAZN-Abonnenten mussten starke Preiserhöhungen hinnehmen
  • Amazon Prime (Champions League), RTL (Europa- und Conference League) und Magenta Sport (3. Liga und Frauen-Bundesliga) besitzen weitere Rechte im deutschen Profifußball
  • Fans des FC Bayern München müssen in dieser Saison zur medialen Live-Verfolgung aller nationalen und internationalen Spiele 57 EUR pro Monat bezahlen

Der Fußball ist die Sportart, bei der die Fans die meisten Abos erwerben müssen, um die hochklassigen Spiele live verfolgen zu können. Sky überträgt die Samstagsspiele der Bundesliga, sowie alle Spiele der 2. Bundesliga live. Dafür gibt es ein eigenes Fußball Bundesliga Paket auf dem Markt, dass sich die Nutzer im Jahresabo stolze 25 EUR pro Monat kosten lassen. Die Übertragung des DFB-Pokals und der Premier League fallen genauso wie alle weiteren Sportarten in das Sport Paket, das 5 EUR billiger angeboten wird. Sportfans, die an den Inhalten beider Pakete interessiert sind, können für monatlich 30 EUR das komplette Sportangebot nutzen.

Die Freitags- und Sonntagsspiele werden hingegen vom großen Konkurrenten DAZN gestreamt. Dieser besitzt zudem die Rechte an einem Großteil der Champions-League-Spiele (121 von 137), der Frauen-Bundesliga und weiteren europäischen Topligen. Der britische Streamingdienst, der nach eigenen Angaben in über 200 Ländern aktiv ist, stellt ein deutliches Beispiel dafür dar, wie drastisch sich die Abopreise innerhalb kurzer Zeit erhöhen können. Zum Zeitpunkt des deutschen Markteintritts im Jahr 2016 lag der Monatspreis einheitlich bei 9,99 EUR. In den Folgejahren ist dieser in mehreren Preiserhöhungen gestiegen und das Angebot wurde in 3 Pakete unterteilt: World (klein), Super Sports (mittel) und Unlimited (groß). Das Sportangebot wird jedoch nicht wie bei Sky in die Pakete separat aufgeteilt, sondern der Abonnent kann neben den exklusiven Inhalten seines Pakets auch auf alle Inhalte der billigeren Pakete zugreifen. Das bedeutet, dass ein Abonnent von DAZN Unlimited ebenfalls alle Inhalte von DAZN Super Sports und DAZN World nutzen kann. Das Flaggschiff Unlimited wurde mit einem Preis von monatlich 29,99 EUR im Jahresabo versehen – somit ist dieser seit 2016 um 300 % gestiegen. 

Um das Stimmungsbild der Konsumenten nach der Preiserhöhung von 14,99 EUR auf 29,99 EUR einzufangen, hat die Sportmarketing- und Researchberatung ONE8Y im März 2022 eine Umfrage unter DAZN-Abonnenten durchgeführt. Bei dieser gaben 32 % der befragte Personen an, ihr Abo sicher kündigen zu wollen. 29 % zogen es zu diesem Zeitpunkt zumindest in Betracht. Lediglich 21 % der Befragten wollten ihre Konto trotz der Erhöhung behalten.

Balkendiagramm Kündigungsabsicht nach DAZN's Preiserhöhung

Im Unlimited-Paket sind die Spiele der Bundesliga und der Champions League exklusiv enthalten. Wer sich ausschließlich für die internationalen Top-Ligen wie die Serie A oder die LaLiga interessiert, kann DAZN Super Sports für monatlich 19,99 EUR im Jahresabo buchen. Das kleinste Paket, DAZN World, kostet lediglich 6,99 EUR und beinhaltet weitere internationale Ligen sowie die Pokalwettbewerbe in Spanien, Italien und England. 

Für Fans, die in der Bundesliga kein Spiel verpassen wollen, haben Sky und DAZN zum Bundesligastart 2023 ein Kombipaket auf den Markt gebracht, mit dem man für den Einstiegspreis von 49,99 EUR alle Inhalte beider Sender verfolgen kann. 

In der Saison 2021/2022 ist der E-Commerce-Riese Amazon mit seinem Prime-Angebot in die Champions League vorgedrungen und hat exklusive Rechte an einem Spiel pro Spieltag mit deutscher Beteiligung bis 2027 erworben. Die UEFA Europa League wird bereits seit 2018 von der RTL Group im Free-TV übertragen, im Jahr 2021 wurde das Angebot um die neu ins Leben gerufene UEFA Conference League erweitert. Das Medienunternehmen hat die Rechte indes bis 2027 verlängert und wird weiterhin Spiele im Free-TV zeigen. Fans von Vereinen dieses Wettbewerbs müssen jedoch Glück haben, um die Spiele kostenfrei sehen zu können. Denn von RTL bzw. Nitro wird pro Spieltag nur eine ausgewählte Partie übertragen, die weiteren sieben Begegnungen sind auf RTL+ gegen eine Gebühr von  6,99 EUR im Monat zu sehen. Der letzte Streaming-Anbieter im deutschen Fußball-Markt ist Magenta Sport, der unter anderem die 3. Liga und die Frauen-Bundesliga für monatlich 12,95 EUR im Jahresabo überträgt.

Wer die höchsten Spielklassen live verfolgen will, muss tief in die Tasche greifen

Die Kosten der einzelnen Streaming-Anbieter zeigen, wie teuer es mittlerweile ist, die höchsten nationalen und internationalen Ligen live verfolgen zu können. Fans von Bayern München oder Borussia Dortmund müssen in dieser Saison ganze 57,49 EUR pro Monat zahlen, um alle Spiele ihres Lieblingsvereins per Livestream zu sehen – das sind knapp 700 EUR im Jahr! 

Ähnlich verhält es sich für Fans von Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen, die für die mediale Live-Verfolgung der Bundesliga, des DFB-Pokals und der Europa- oder Conference League monatlich 56,98 EUR ausgeben müssen. Fans, die ausschließlich an der Bundesliga interessiert sind, kommen mit dem Kombipaket von Sky und DAZN im Vergleich mit 49,99 EUR etwas billiger weg. Mit sinkendem Liga-Niveau verringern sich natürlich auch die Preise. Für Fans der 3. Liga genügt zum Beispiel das Magenta Sport Abonnement für 12,95 EUR. 

Wer im deutschen Profifußball alle Abonnements abschließen möchte, muss mit monatlichen Kosten von 77,43 EUR rechnen. Alles in allem lässt sich sagen, dass der Konsum von hochklassigem Fußball in Deutschland in den vergangenen Jahren zu einem echten Luxusgut geworden ist, dass sich viele Einzelpersonen, aber auch Gaststätten, schlicht nicht mehr leisten können.

Wintersport & Leichtathletik: DAZN dominiert den Markt – auf ARD und ZDF läuft vieles kostenfrei

  • DAZN überträgt viele Events im Wintersport und in der Leichtathletik
  • Die bekanntesten Events werden auch von den öffentlich-rechtlichen Sendern (ARD und ZDF) übertragen

In Wintersport und in der Leichtathletik ist die Situation bei weitem nicht so kostspielig und kompliziert wie im Fußball. Neben der hohen Anzahl an Live-Übertragungen in den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF ist DAZN der einzige Anbieter, der die wichtigsten Events in beiden Sportarten streamt. Hierzu zählen die Vierschanzentournee, ausgewählte Welt-Cups im Ski Alpin und Biathlon, sowie die olympischen Winter- und Sommerspiele. Diese sind alle über das DAZN World Paket für monatlich 6,99 EUR im Jahresabo empfangbar. Diese Events laufen in der Regel jedoch auch über ARD und ZDF, weshalb generell kein gesondertes Abonnement nötig ist. 

Motorsport: Auch hier wird es kompliziert

  • Sky hat die exklusiven Formel-1-Rechte von RTL übernommen, wodurch die Rennen nicht mehr im Free-TV verfügbar sind

Für viele Fans der Formel 1 war es ein schwerer Schlag, als Sky 2021 die exklusiven Rechte von RTL übernahm und der Wettbewerb damit völlig aus dem Free-TV verschwand. Jetzt kostet es die Zuschauer monatlich 20 EUR, um live bei den Rennen dabei zu sein. Zusätzlich sind der Porsche Supercup und IndyCar im Sky-Angebot enthalten. Die Formel E hingegen wird auf DAZN übertragen, der Porsche Carrera Cup und die ADAC GT Masters laufen über RTL+. Wer all diese Events live sehen möchte, benötigt 3 Abonnements für insgesamt 33,80 EUR im Monat. 

Tennis: Zwei etablierte Anbieter und ein Newcomer

  • Sky überträgt Wimbledon exklusiv seit 2011
  • Die Australian- und French Open laufen über DAZN und Eurosport
  • Sportdeutschland.TV hat 2023 die Rechte an den US-Open für 4 Jahre erworben

Bis zum vergangenen Jahr hatten Sky und DAZN die 4 wichtigsten Turniere des Tennissports unter sich aufgeteilt. Seit 2011 wird Wimbledon exklusiv von Sky übertragen, das die Rechte erst kürzlich verlängert hat. Die French Open, Australian Open und US Open wurden von DAZN zwar durch eine Partnerschaft mit Eurosport gestreamt, konnten aber von den Fans im Free-TV live angesehen werden. Das hat sich in diesem Jahr bei den US-Open geändert, da Sportdeutschland.TV den Zuschlag für die Rechte bis 2027 erhielt. Die Online-Plattform, gegründet vom Deutschen Olympischen Sportbund im Jahr 2014, konnte damit eines der wichtigsten Tennisturniere der Welt in sein Portfolio aufnehmen. Im Gegensatz zu den meisten kostenfreien Sportübertragungen auf der Plattform mussten die Fans 25 EUR bezahlen, um alle Spiele des Turniers live streamen zu können. Alternativ konnte ein Tagesticket für 10 EUR oder ein einzelnes Spiel für 5 EUR erworben werden.

Handball, Basketball, Volleyball und mehr: Dyn Media mischt den Markt auf

  • Christian Seifert ist mit Dyn Media in den deutschen Streaming-Markt eingestiegen
  • In beliebten Sportarten (u. a. Handball, Basketball und Volleyball) wurden Übertragungsrechte von Spitzenwettbewerben erworben
  • Durch den neuen Anbieter erhöht sich in der Streaming-Branche der Konkurrenzkampf um die Abonnenten
  • Bei Dyn Media gab es zu Beginn vermehrt Übertragungsprobleme

Nach 17 Jahren erfolgreicher Tätigkeit bei der Deutschen Fußball Liga entschied sich Christian Seifert dazu, seinen Geschäftsführervertrag nicht zu verlängern. Stattdessen wagte er den Schritt, ein Start-up namens Dyn Media im deutschen Streaming-Markt mitzugründen und an den Start zu bringen. Mit diesem will er Sportfans in Deutschland ein neues mediales Zuhause geben und vor allem die „Randsportarten“ populärer machen, die hinter dem Fußball zurückbleiben. Dafür hat das Unternehmen, an dem der Axel-Springer-Verlag mehrheitlich beteiligt ist, groß auf dem deutschen Übertragungsrechtemarkt eingekauft. Dyn (gesprochen „Dein“) konnte sich unter anderem die wichtigsten Rechte im Handball sichern. Dazu zählen die Liqui Moly Handball-Bundesliga, die EHF Champions- und European League und der Pixum Supercup. Darüber hinaus besitzt das Unternehmen Rechte am Basketball, Volleyball, Tischtennis und Hockey.

Vor dem offiziellen Sendestart wurden deutsche Sportinteressierte von ONE8Y zu dem neuen Player auf dem Markt befragt. Im Juli dieses Jahres und damit einen Monat vor der ersten Live-Übertragung im Pixum Supercup war Dyn lediglich 21 % der Zielgruppe bekannt. Das verdeutlicht, dass der Streaming-Anbieter im Marketingbereich weiterhin vor großen Herausforderungen steht. Die angebotenen Wettbewerbe mit dem größten Interesse bei der Zielgruppe sind die Liqui Moly HBL (45 %), der DHB-Pokal der Männer (44 %), die Basketball Champions League (36 %) und die easyCredit Basketball-Bundesliga (35 %). Die Hockey-Bundesligen der Männer und Frauen erzielten das geringste Interesse (< 20 %).

Interesse an den von Dyn angebotenen Sportarten

Bevor Dyn den Preis für das Abonnement veröffentlichte, wurden Sportinteressierte zur Preisgestaltung befragt. 17 % der Testpersonen gaben an, einen monatlichen Preis bis maximal 5 EUR zu akzeptieren, während 34 % einen Preis bis zu 10 EUR als akzeptabel betrachteten. Für weitere 31 % wären maximal 15 EUR in Ordnung, nur 18 % wären bereit, einen Preis über 15 EUR zu bezahlen.

Infografik, wie viel Sportinteressierte bereit sind, für ein Dyn-Abo zu zahlen

Einen Monat vor dem Sendestart gab Dyn den Preis für die Plattform bekannt, der bei der Befragung von ONE8Y von knapp der Hälfte als akzeptabel bewertet wurde: Beim Abschluss eines Jahresabos kostet das Abonnement monatlich 10,50 EUR, im monatlich kündbaren Vertrag müssen 12,50 EUR gezahlt werden.

Wenn ein Start-up wie Dyn in den Markt einsteigt und exklusive Rechte bei einer Handvoll bekannter Sportarten übernimmt, stellt sich natürlich die Frage, inwiefern das die Konkurrenten auf dem Markt beeinflusst. Knapp über 40 % von 858 Sportinteressierten gaben bei einer ONE8Y-Marktforschung im Juli 2023 an, Amazon Prime wegen Dyn kündigen zu wollen. Ein Drittel plante jeweils, das Abonnement von Sky oder DAZN zu beenden. 

Übersicht, welche Sport-Streaming-Abos aufgrund von Dyn gekündigt werden

Finanziell betrachtet lohnt sich ein Abo vor allem für Fans von Vereinen der erstklassigen Handball-Bundesliga. Denn diese mussten in der vergangenen Saison Sky und DAZN abonnieren, um die Spiele der Liqui Moly HBL und der Champions League live streamen zu können. Seit dieser Saison genügt ein Abo bei Dyn für 10,50 EUR im Monat, wodurch sich der Preis um über 20 EUR monatlich verringert hat. Für Zuschauer der 2. Handball-Bundesliga hat sich das Blatt jedoch in die andere Richtung gewendet: In der vergangenen Saison konnten alle Spiele über Sportdeutschland.TV kostenfrei gestreamt werden, jetzt sind die Partien hinter die Paywall gerückt.

Beim Pixum Supercup am 23.08.2023 zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen ging Dyn zum ersten Mal live auf Sendung. Vor dem Anpfiff des Spiels kam es bei mehreren Nutzern zu Problemen bei der Übertragung. Dyn erläuterte in einem späteren Statement, dass ein kurzfristiger Ansturm auf Abonnements vor dem Spielbeginn zu Serverüberlastungen geführt hätte. Auch während des Spiels räumte das Unternehmen Beeinträchtigungen in der Übertragungsqualität bei einzelnen Nutzern ein. Auch in der 2. Handball-Bundesliga kam es zu einzelnen Schwierigkeiten bei der Übertragung. Beim Heimspiel des TV Hüttenberg am 1. Spieltag brach der Stream in der 40. Minute ab. Auch bei der ersten Live-Übertragung des VfL Potsdam kam es zu Problemen.

Basketball: Dyn vs. Magenta Sport!

  • Im Basketball teilen sich Magenta Sport und Dyn die wichtigsten Übertragungsrechte auf

Vor allem im Basketball besitzt Dyn mit Magenta Sport jedoch einen Konkurrenten, der ebenfalls über ein großes Rechtepaket verfügt. Für 12,50 EUR können Sportfans exklusiv die Turkish Airlines EuroLeague, den BKT EuroCup und den FIBA Basketball World Cup über den Pay-TV-Sender der deutschen Telekom verfolgen. Somit benötigen Basketball-Fans bis zu 2 Abos mit Kosten von 23 EUR im Monat. Außerdem besitzt Magenta Sport die Rechte an der höchsten deutschen Eishockey-Liga sowie an den Spielen der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft.

American Football: RTL löst ProSieben ab!

  • American Football läuft seit diesem Jahr auf RTL statt auf ProSieben
  • Neben RTL bietet auch DAZN American-Football-Spiele live an

In den vergangenen Jahren war der steigende Erfolg der Sportart American Football in Deutschland immer mit dem Platzhirschen ProSieben verbunden. Der Sender RTL hat das Potenzial der Trendsportart erkannt und konnte sich die Rechte für die kommenden fünf Jahre sichern. In einem neu gebauten TV-Studio inklusive Football-Feld werden seit dieser Saison sonntags zwei ausgewählte Spiele übertragen. Ein drittes Spiel gibt es auf RTL+ für 6,99 EUR im Monat zu sehen. Neben RTL ist auch DAZN im American-Football-Markt aktiv und bietet unter anderem die „NFL ENDZN“, eine Livesport-Konferenz aller Sonntagsspiele, für 19,99 EUR über DAZN Super Sports an. 

Das sind die Übertragungsrechte wert

Anhand des finanziellen Wertes der Übertragungsrechte lässt sich die Attraktivität der verschiedenen Ligen und Wettbewerbe erkennen. Ein Blick auf den europäischen Fußball zeigt, dass zwischen den Top-Ligen große Unterschiede in den TV-Erlösen bestehen. Angeführt wird der Markt von der Premier League, die in der Saison 2021/2022 einen Gesamterlös von 3.488 Millionen EUR durch ihre TV-Rechte eingespielt hat. Die Bundesliga liegt mit 1.390 Millionen EUR hinter der spanischen LaLiga auf Platz 3.

Einnahmen der Big-Five-Ligen durch TV-Deals

Das Fachmagazin Sponsors hat veröffentlicht, dass Sky für die Rechte an 206 Partien der 1. Bundesliga 595 Millionen EUR pro Saison zahlt. Der Konkurrent DAZN bezahlt für die restlichen 106 Spiele 300 Millionen EUR. Die TV-Einnahmen werden von der DFL über einen Verteilungsschlüssel an die Bundesligisten ausgeschüttet. Die Hälfte wird unter allen Teams gleichmäßig verteilt, die andere Hälfte wird je nach sportlicher Leistung, Nachwuchsarbeit und Interesse aufgeteilt. Anhand dieses Verteilungssystems erhielt der Meister FC Bayern München in der vergangenen Saison 90,2 Millionen EUR, während der VfL Bochum mit 33,3 Millionen EUR den geringsten Betrag erzielte.

In anderen Sportarten sind die Einnahmen durch den Verkauf der Fernsehübertragungsrechte weitaus niedriger. Laut der Zeitschrift „Handball World“ hat Dyn Media für die exklusiven Übertragungsrechte in den nächsten 6 Jahren etwas mehr als 100 Millionen EUR in die Handball-Bundesliga investiert, was einem Betrag von ca. 17 Millionen EUR pro Saison entspricht. Dyn-Gründer Christian Seifert bezeichnet dies als das „größte Investment, das es je in der Geschichte des Handballs gab.“ Der Trainer und Funktionär Bob Hanning zeigt sich euphorisch und bewertet den Deal als „Riesen-Chance für den Handball“. Von dem Investment sollen 60 Millionen EUR an die Vereine der HBL ausgeschüttet werden. Einen leistungsbezogenen Verteilungsschlüssel wie im Fußball gibt es im Handball nicht – stattdessen werden die TV-Gelder zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Damit wird sich der neue TV-Deal mit Dyn finanziell positiv auf die Clubs auswirken. Während diese bis letztes Jahr lediglich 170.000 EUR je Saison erhielten, können sie ab dieser Saison mit ca. den doppelten Einnahmen rechnen. Auch die Basketball-Liga dürfte von dem Einstieg von Dyn profitieren. Nach Informationen des Fachmagazins „Big“ wurden durch den Vertrag mit Magenta Sport in den vergangenen Jahren Einnahmen von ca. 4 Millionen EUR pro Spielzeit generiert. Diese sollten sich durch den Einstieg von Dyn ebenfalls deutlich erhöhen – der Kaufpreis wurde jedoch nicht veröffentlicht.

Die Deutsche Eishockey Liga erhält durch den Vertrag mit der Deutschen Telekom (Magenta Sport) kolportierte 4,5 Millionen EUR pro Jahr, die wie im Handball und Basketball an die 14 Teams gleichmäßig verteilt werden.

Wie bewerten die Fans die Plattformen?

Ein wichtiger Faktor bei der Nutzung eines Streaming-Anbieters ist die Funktionalität der App. Denn ein inhaltlich starkes Angebot stellt den Abonnenten nicht zufrieden, wenn Probleme beim Streamen auftreten. Um die Apps hinsichtlich der Kundenzufriedenheit zu beurteilen, wurden die Bewertungen im App Store und im Play Store analysiert (1 = schlecht, 5 = sehr gut). 

Nutzerbewertungen in App-Stores der meistgenutzten Sport-Streaming-Apps

Auf Platz 1 liegt die App von Magenta Sport mit einer Durchschnittsbewertung von 4,5 Sternen. Dahinter folgen Sky mit der App WOW (4,4) und Amazon Prime (4,2). Auch RTL+ schneidet bei den Nutzern mit 4 Sternen positiv ab, die App Sky Go liegt mit 3,8 Sternen im Mittelfeld der Stichprobe. Vor allem DAZN hat mit der Android-Version Probleme, die Erwartungen der Nutzer zufriedenzustellen (2), schneidet jedoch im App Store ebenfalls gut ab (4,6). Die App von Dyn Media, die seit August auf dem Markt ist, kommt bei den Nutzern bisher eher negativ an (2,4). Das Schlusslicht bildet Sportdeutschland.TV (1,4). Die Bewertungen von Dyn und Sportdeutschland.TV sind aufgrund der geringen Fallzahl jedoch mit Vorsicht zu genießen.

Das sind die Marktführer im deutschen Streaming-Markt!

Durch eine Marktforschung der Sportmarketing- und Researchberatung ONE8Y unter 1.906 Sport-Interessierten konnte Amazon Prime Video eindeutig als Marktführer in der deutschen Streaming-Branche bestimmt werden. 78 % der Befragten gaben an, ein Amazon Prime Abonnement zu besitzen. Dahinter folgen Sky (31 %), DAZN (24 %), RTL+ (23 %) und Magenta Sport (16 %). Wieder belegen Sportdeutschland.TV (5 %) und Dyn (3 %) im Vergleich die hintersten Plätze.

Balkendiagramm beliebtester Sport-Streaming-Dienste

Neben Abonnements wurden auch die Frage nach der „Ersten Wahl“ erörtert. Hier mussten die Testpersonen angeben, welchen Anbieter sie auswählen würden, wenn sie nur noch eine Streaming-Plattform abonnieren dürften. Wieder landet Amazon Prime mit 59 % auf dem ersten Platz. Das zeigt, dass die weiteren Inhalte von Prime wie kostenloser Versand, Filme und Serien, auch für Sportbegeisterte von sehr hoher Bedeutung sind. Amazon Prime kann zwar nur eine geringe Zahl an Live-Sportveranstaltungen aufweisen, produzierte jedoch in der Vergangenheit vermehrt Filme und Serien im Sportbereich. Hierzu zählt unter anderem die kürzlich erschienene Dokumentation „All or Nothing“ über die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Katar. 

Ein Vergleich zwischen Abonnements und „Erster Wahl“ gibt interessante Einblicke in die Treue der Abonnenten. Genau drei Viertel der aktuellen Amazon Prime Abonnenten würden sich erneut für Prime entscheiden, wenn sie zwischen allen Plattformen eine einzelne auswählen müssten. Bei Sky wäre es knapp die Hälfte aller Abonnenten. Etwas geringer fällt der Anteil bei DAZN aus. Hier würden 44 % der Abonnenten die Plattform als einzigen Streaming-Anbieter wählen. Bei RTL + liegt dieser Wert lediglich bei knapp einem Drittel. Ähnlich verhält es sich bei Magenta Sport, Sportdeutschland.TV und Dyn.

So könnte sich der Streaming-Markt in Deutschland entwickeln

Die ambitionierten Zielsetzungen von Dyn machen den Anschein, als wolle das Unternehmen langfristig die Randsportarten außerhalb des Fußballs besetzen und bei diesen die Vormachtstellung im Markt sichern. Zunächst muss sich jedoch  zeigen, ob Dyn seine App in naher Zukunft verbessern kann und ob ausreichend Personen den Dienst abonnieren, um das Unternehmen profitabel zu machen. Denn durch die langfristigen Verträge zeigt Dyn zwar seine Überzeugung bezüglich der einzelnen Sportarten, geht aber auch ein erhöhtes Risiko ein, wenn das Angebot unzureichend angenommen wird.

Vor allem die weitere Entwicklung im Basketball könnte sehr interessant sein. Das Rechte-Paket von Magenta Sport für die Europa- und Weltmeisterschaften sowie die EuroLeague läuft bis einschließlich 2026. Dann wird Dyn möglicherweise versuchen, ähnlich wie im Handball alle wichtigen Wettbewerbe zu besetzen. Die Folge könnten harte Verhandlungen sein.

Auch der Blick auf den Fußball – speziell auf die Bundesliga – verspricht viel Brisanz in den kommenden Jahren. Charly Claasen, der Sportchef von Sky, hob in einem Interview mit der FAZ einmal mehr die große Bedeutung der Bundesliga für Sky hervor. Der Einstieg von DAZN in die höchste Spielklasse hat die Vormachtstellung im deutschen Fußball eindeutig ins Wanken gebracht. Deswegen will Sky keinesfalls weitere Spiele des Premiumprodukts an den größten Konkurrenten verlieren. Im Frühjahr 2024 könnte dieses Thema brisant werden, da zu diesem Zeitpunkt die Übertragungsrechte für die Saison 2025/2026 vergeben werden. Die Vergabe gewinnt zusätzlich an Bedeutung, da die DFL offenbar auf die Regel „No-Single-Buyer-Rule“ aus der vergangenen Verhandlung verzichten wird. Diese Regel besagt, dass die Rechte an mehr als einen Anbieter vergeben werden müssen. 

Somit könnten die Bundesligaspiele ab 2025/2026 wieder von einem einzigen Anbieter übertragen werden. Fußball-Fans sollten jedoch nicht zu euphorisch sein, da in diesem Fall der Rechtekäufer Sublizenzen vergeben könnte. Dann wären weiterhin mehrere Abonnements zu hohen Preisen nötig, um alle Spiele der Bundesliga live zu verfolgen.

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Anton ist ein Verfechter der Privatsphäre und persönlichen Autonomie. Deswegen schreibt er hier u. a. zu diesen Themen.